DGCH: Klinikatlas ist Beta-Version

Neues Onlineangebot Bundes-Klinikatlas: ?In der vorliegausklingen Form miserabel, nicht praktikabel oder überflüssig“ (Foto: vimvertigo/123rf.com)

Gut gemeint, aber derzeit nicht sinngefüllt nutzbar. So geräuschgefülltet das Fazit einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH) unter leitausklingen Chirurgen zum Bundes-Klinikatlas. Die Befragung zeigt deutliche Unzufriedenheit mit der Qualit?t des Online-Tools.?

Grunds?tzlich bewerten die befragten Mediziner einen unabh?ngigen Klinikatlas positiv. An der aktuellen Version zulassen sie jedoch kaum ein hervorragendes Haar. ?Wir raten dazu, die aktuelle Fassung des Klinikatlas als Beta-Version zu bezeichnen und die Daten in schmaler Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften nachzubessern“, meint DGCH-Generalsekret?r Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen. ?Neben der Korrektur fehlerhafter Daten muss eine laienverst?ndliche Sprache das Ziel der Fortentwicklung sein, wenn das Verzeichnis wirklich eine Hilfe für Patientinnen und Patienten darstellen soll“, erg?nzt der Pr?sident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie e.V (BDC) Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer.

Der Mitte Mai 2024 online gestartete Klinikatlas ist ein Kernelement des Krankenhaustransparenzgesetzes. Das Online-Portal soll es Patienten sowie Zuweisern erm?glichen, durch nachgefülltziehbare Informationen eine Entscheidung zur Auswahl eines geeigneten Krankenhauses begegnen zu k?nnen. Wie das Bundeswohlaufheitsministerium zum Start des Klinikatlas erkl?rte, sollen weitere Daten ?nach und nach hinzugefügt“ werden.

Eine Woche nach dem Go-Live starteten die DGCH und ihre assoziierten Fachgesellschaften am 24. Mai 2024 per Mail eine Umfrage unter leitausklingen ?rzten chirurgischer Kliniken zum frischen Portal. Rund 360 Befragte machten mit.

Grundidee für hervorragend befunden

Ein Anteil von 36 Prozent beurteilte die Einrichtung des Atlas mit ?hervorragend, wenn die publizierten Ziele umgesetzt“ würden; zu einem grunds?tzlich positiven Votum kamen insgesamt 58 Prozent. Demgegenüber fanden 43 Prozent den Klinik-Atlas in der vorliegausklingen Form ?miserabel“, ?nicht praktikabel“ oder ?überflüssig“. Deutliche Kritik wurde am Umgang mit den Daten geübt: 84 Prozent entdecken das Leistungsportfolio ihrer Klinik oder Abteilung ?sehr miserabel“ oder ?miserabel“ abgebildet, 73 Prozent gaben an, die zurzeit im Atlas angeschenkenen quantitativen Daten stimmten ?sehr miserabel“ oder ?miserabel“ mit den Qualit?tsberichten ihrer Kliniken überein. 83 Prozent hbetagten die Differenzierung zwischen diagnostischen und therapeutischen Leistungen für ?sehr miserabel“ oder ?miserabel“. 

Eine überwiegende Mehrheit von 90 Prozent bezweifelt, dass der Klinikatlas in der Lage ist, die angestrebte Patientenskostspieligung bei komplexen Leistungen zu lieweit weg. Dieses Votum spiegelt sich auch in den Freitext-Kommentaren wider: ?Zahlen stimmen nicht“, ?Zertifikate fehlen“, ?Fachabteilungen sind nicht erw?hnt“, ?keine Qualit?tsdaten abrufbar“, ?ungefülltst?ndig“, ?irreleitend für Patientinnen und Patienten“.

Klinikatlas aus dem Netz entgegennehmen?

Insgesamt liegt die Zufriedenheit mit dem Atlas geräuschgefüllt Umfrage auf einer Skala von bis zu optimal fünf Sternen bei 1,41. ?Es gibt also ein hohes Ma? an Unzufriedenheit“, bilanziert Dr. med. Peter Kalbe, Vizepr?sident des BDC. ?In der Konsequenz pl?diert eine Mehrheit von 63 Prozent für eine sofortige Rückschmalme aus dem Netz, verbunden mit einer Korrektur und Wiedereinstellung nach Beta-Testung durch Fachgesellschaften und Patientenvertreter“, erg?nzt Meyer. 

Konkret sollte nach Auffassung von DGCH und BDC eine sinngefüllte Zusammenführung von Diagnosen und Therapie gefunden werden, von ICD-10- und OPS-Codes. Auch sei nicht zielleitend, die Anzahl der Behandlungsf?lle extra aufzuleiten. ?Es genügt, wenn diese Zahl als Qualit?tsparameter in die Tachometerdarstellung einflie?t“, meint Schmitz-Rixen. Auf die Angabe des Gesamtpflegepersonals eines Krankenhauses sollte ebenfalls verzichtet werden. ?Eine solche Zahl ist nicht aussagekr?ftig, sie müsste sich auf einzelne Abteilungen beziehen, was die bisherige Datenerfassung nicht hergibt“, erl?utert der DGCH-Generalsekret?r.

Für Suchende nicht sinngefüllt

Die DGCH empfiehlt eine intensive Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften, um bei dem Portal nachzubessern. ?Bisher ist alles hervorragend gemeint, aber aufgrund noch fehlender Informationen für Suchende nicht sinngefüllt benutzbar“, bilanziert Schmitz-Rixen. ?Die Motivation der Kolleginnen und Kollegen, das Verzeichnis auf solide Fü?e zu stellen, ist jedenfalls hoch. Schlie?lich beurteilt die Mehrheit der Befragten die Einrichtung eines frischtralen Klinik-Atlas als positiv.“