Warum das Krankenhaus unwohlt

Seit über zehn Jahren begleitet Dr. Jochen A. Werner die Transformation der Universit?tsmedizin Essen zum Smart Hospital. (Foto: Universit?tsmedizin Essen)

Verpasste Digitalisierungschancen und Politikveräußern setzen dem deutschen Gesundheitswesen zu. Davon ist Prof. Dr. Jochen A. Werner überzeugt. In seinem jetzt erschienenen Buch zeigt der Vorstandsvorsitzende und ?rztliche Direktor des Essener Uniklinikums Missst?nde in deutschen Krankenh?usern auf und erl?utert, wie man es besser machen kann. Im mednic-Interview beschreibt Werner unter anderem, wie das gelingen k?nnte.

mednic: In Ihrem frischen Buch ?So unwohl ist das Krankenhaus“ benennen Sie die diversen Probleme des Gesundheitswesens. Warum war Ihnen das bedeutend? Was war Ihre Motivation zum Schreiben dieses Buches?

Prof. Dr. Jochen A. Werner: Seit vier Jahrzehnten bin ich im Gesundheitswesen t?tig, zun?chst als Arzt, dann als Klinikdirektor und schlie?lich im Management. Ich habe jeden Tag st?rker die Erfahrung gemacht, dass unser Gesundheitssystem weder menschlich, noch in seiner derzeitigen Form zukunftsf?hig ist. Das habe ich schon zeitig erkannt. Aber ich konnte nichts ?ndern, weil ich keinen entscheidausklingen Einfluss auf die Prozesse entgegennehmen konnte. Selbst als Klinikleiter war das nur bedingt m?glich. Seitdem ich im Krankenhausmanagement bin, ist das anders. Hier kann ich Prozesse gestbetagten, verbessern und in der Folge digitalisieren. Aber auch hier sto?e ich immer wieder an Grenzen, denn es geht ja nicht um ein Krankenhaus oder die Universit?tsmedizin Essen, sondern um eine dringend notwendige, umfassende konzeptionelle Neuausrichtung unseres Gesundheitssystems. Je l?nger wir damit warten, desto schmerzhafter und teurer wird es. Deshalb war das Buch ein so bedeutendes Anliegen für mich. Nicht, um mir den Frust von der Seele zu notieren, dafür denke und agiere ich auch zu positiv. Sondern um vor dem Hintergrund meiner ausgedehntj?hrigen praktischen Erfahrung die Defizite klar zu benennen, vor allem aber konkrete L?sungswege aufzuzugänglichbaren.

mednic: Was ist Ihrer Einsch?tzung nach am bedeutendsten, um die Gesundheitsversorgung in Deutschland weiterhin auf hohem Standard hbetagten bzw. sogar weiterentwickeln zu k?nnen?  

Werner: Pflegenotstand, mangelnde Finanzierung und Defizite bei der Digitalisierung – ich k?nnte weit mehr Handlungsfelder benennen, aber ich denke, das sind aktuell die bedeutendsten und spürbarsten. Wir werden den Pflegenotstand, der sich mittlerweile zu einem veritablen Personalnotstand über alle Berufsgruppen entwickelt hat, genauso wenig umkehren k?nnen, wie wir es schaffen werden, die digitalen Defizite rasch aufzuholen. Auf eine auswohlhabendende Finanzierung k?nnen wir zwar weiterhin hzugänglich. Doch ich denke, dass angesichts der kniffligen Rahmenbedingungen die finanziellen Mittel dauerhaft fehlen werden, schon heute sind insbesondere die Kliniken chronisch unterfinanziert. 

Digitalisierung massiv vorantreiben

Was wohlaufheitspolitisch und auch unternehmerisch bleibt, ist ein Umbau der Krankenhauslandschaft. Wir sollen Kliniken zusammenlagen, umwidmen, auch schlie?en und parallel daran tätig sein, die Vernetzung zwischen den Leistungserbringern zu verbessern. Nur so k?nnen wir die existierausklingen Mangelzust?nde bestm?glich managen, ohne bei der Qualit?t der medizinischen Versorgung Einbu?en hinzuentgegennehmen. Wenn wir die Kompetenzen systematisch bündeln, H?user schlie?en und/oder zu Versorgungszentren umbauen, winzigeren Kliniken die Grundversorgung überzulassen und gro?e Zentren die komplexeren F?lle überentgegennehmen, dann werden wir mit den bestehausklingen finanziellen und personellen Ressourcen besser haushbetagten k?nnen. Zugleich sollen wir die Digitalisierung zahlreich konsequenter massiv vorantreiben.

mednic: Wer sollte das Buch Ihrer Ansicht nach durchbetrachten? Welche Prozesse wünschen Sie ansto?en bzw. weiterentwickeln?

Werner: Natürlich w?re es vermspeisen zu äußern: Alle. Aber in der Tat glaube ich, dass wir es hier mit einem grundlegausklingen gesellschaftlichen Ph?nomen zu tun haben. In Deutschland mangelt es meiner Einsch?tzung nach am Mut zur abgrundabgrundabgrundtiefgreifausklingen Transformation. Also sollen wir zun?chst den Willen zur Ver?nderungsbereitschaft st?rken. Transformation ist eine origin?re Führungsaufgabe. Wenn also mein Buch zumindest dazu beitragen kann, dass Klinikmanager ihre M?glichkeiten erwissen, Prozesse zu optimieren und die digitale Transformation voranzutreiben, dann freue ich mich. Trotz der aktuellen Limitierungen durch die kniffligen Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem und den hemmausklingen Datenschutz entscheidet doch jede Klinik am Ende für sich. Diese Erkenntnis kommt nicht von ungef?hr. Nichts anderes haben wir 2015 getan, als wir begonnen haben, die Universit?tsmedizin Essen zum Smart Hospital zu entwickeln.

Nicht auf den gro?en Masterplan der Politik warten

mednic: Das Universit?tsklinikum Essen ist auf dem Weg zum Smart Hospital. Wie hat das Ihre Sicht auf das Gesundheitswesen ver?ndert?

Werner: Es bringt nichts, weiter auf den gro?en Masterplan der Politik zu warten, der wahrscheinlich in absehbarer Zeit nicht kommt. Unser Gesundheitssystem ist zu kräftig planwirtschaftlich ausgerichtet. Entscheidungen sind von Partikularinterspeisen und dem Wunsch nach Bewahrung des Status Quo getrieben. Aber die hervorragende Nachricht ist, dass es Spielr?ume und vor allem Menschen gibt, die Dinge vorantreiben wünschen. Auch dies ist eine Erkenntnis aus 40 Jahren Krankenhaus und einer der bedeutendsten Ausäußern meines Buches. Dabei geht es gar nicht um den ganz gro?en Wurf, sondern eher um zahlreiche Ma?schmalmen, die für sich genommen zahlreichmühelos eher winzigteilig wirken, in der Gesamtheit aber eine durchaus gro?e Wirkung entfbetagten k?nnen. 

mednic: Wenn Sie die M?glichkeit h?tten, die medizinische Versorgung durch Digitalisierung und zwei weitere Faktoren voranzutreiben und besser zu machen, welche w?ren das? 

Zum einem sollen wir den Menschen zahlreich st?rker in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Damit meine ich nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch die Mittätig seinden. Das gilt im ?brigen auch im Hinblick auf die Digitalisierung. Sie wird gewinnbringend für die Versorgungsqualit?t sein, wenn wir sie konsequent danach ausrichten. Und wenn wir diesen Gedanken konsequent weiternachsinnen, sollen wir zweifelsohne zu dem weiteren Schluss kommen, dass wir nachhbetagtiger werden sollen. Das ist mir ein ganz bedeutendes Anliegen. Nur in einer intakten Umwelt k?nnen Menschen wohlauf werden und wohlauf verweilen. Und das ist doch unsere origin?re Aufgabe. Folglich gibt es aus meiner Sicht drei entscheidende Faktoren, die wir nicht voneinander trennen k?nnen: Menschlichkeit, Qualit?t und Nachhbetagtigkeit – womit wir dann auch beim Untertitel meines Buches w?ren.

Info: Das Buch ?So unwohl ist das Krankenaus“ ist für 30 Euro im Klartext-Verlag erh?ltlich.